Hintergrundwissen
Warum wurde der Verein gegründet?
Im Auftrage des Guts- und Entenfarmbesitzer Rolf Bölts hat Mitte der 1960er-Jahre der Künstler Eriksdun, der mit bürgerlichem Namen Heinrich Friedrich Rudolf Kröger heißt, eine Mosaik-Bildgruppe mit Motiven aus dem Wirkungskreis der Familie Bölts erstellt. Zu sehen sind darauf Enten, Puten, Pferde, Kühe, etc..
Die großflächigen Mosaike wurden an der Zuwegung zur früheren Entenfarm, heute die "Tivolistr." aufgestellt. Sie befinden sich auch heute noch dort. Die Baugenehmigung datiert vom 08.11.1965, so dass davon auszugehen ist, dass die Mosaik-Bildgruppe im Frühjahr 1966 aufgestellt wurde.
Das Mosaik-Triptychon ist somit jetzt 60 Jahre alt und der Zahn der Zeit hat insbesondere im rückwärtigen Bereich bereits kräftig daran genagt.
In Zusammenarbeit mit dem derzeitigen Eigentümer, Hajo Hinrichs, dem Präsidenten der „Oldenburgischen Landschaft“, Herrn Prof. Dr. Uwe Meiners und der Gemeinde Edewecht habe ich daher nach Möglichkeiten gesucht, um den Erhalt und möglichst auch die Wiederherstellung des Kunstwerks zu ermöglichen.
Im Endergebnis wurde daher am 14.07.2025 dieser Verein gegründet.
Wolfgang Krüger
Wer ist der Künstler "Eriksdun"?
Die Oldenburgische Landschaft, und hier insbesondere die Mitglieder der dortigen "Arbeitsgemeinschaft Kunst", Frau Inge von Danckelmann sowie Dr. Martin Feltes haben am 20.03.2025 hierzu die nachstehende Expertise erstellt:
Expertise zum künstlerischen Werk von Eriksdun (20.03.2025)
Wenig bekannt ist das Werk von Heinrich Friedrich Rudolf Kröger. Und dies zu unrecht. Denn der Künstler hat seit den 1930er jahren eindrucksvolle künstlerische Akzente gesetzt.
Geboren wurde Kröger am 28. März 1904 in Niederbecksen (heute Lohe) als Stadtteil von Bad Oeynhausen. Nach seinem Studium der Rechte in Göttingen und Berlin (1924-1927) hat sich Kröger der bildenden Kunst zugewandt und 1928 den Künstlernamen ,,Eriksdun" angenommen. Der Autodidakt avancierte schon früh zu einer auch international anerkannte Künstlerpersönlichkeit, was sich in zahlreichen Ausstellungen sowie in Kunstprojekten im öffentlichen Raum spiegelt. Ausschnitte seines Schaffens wurden 1928-1932 in Ausstellungen in der Nationalgalerie und der Preußischen Akademie der Künste zu Berlin gezeigt. Weitere Präsentationen folgten von 1933-1936 in Rom, Athen, Jerusalem und Alexandria. Eine hohe Anerkennung seines Schaffens war auch die Verleihung des renommierten und mit einem Stipendium verbundenen Rompreises im Jahr 1932. Dokumentiert ist weiterhin seine Flucht in den Vorderen Orient (1935) nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Schon 1936 kehrte Eriksdun nach Deutschland zurück und erhielt 1939/40 Berufsverbot. Seine künstlerische Position entsprach nicht der Nazi-ldeologie und wurde als ,,entartet" diffamiert. Tragisch ist die Zerstörung seines Frühwerks mit fast 500 Arbeiten durch einen Bombenhagel in Berlin im Jahr 1944. Nach 1945 wirkte Eriksdun bis Ende der 1950erjahre erfolgreich als freischaffender Künstler. Er wurde zu Ausstellungen in Zürich, Basel, Den Haag, New York, Dallas und Hasselt eingeladen. Der Künstler starb im Jahr 1982.
Im Katalog der Ausstellung in Hasselt (Belgien) im Jahr 1960 formuliert der Direktor der Städtischen Museen Aachen, Dr. Hans Feldbusch: ,,Eriksdun gehört zu den aktuellsten Malern der Gegenwart. Seine Bilder sind leuchtende Impressionen, seine Malkunst hat eine starke Ausdruckskraft." Die Stilrichtungen des Impressionismus und des Expressionismus klingen in dieser Einordnung an. Aber das Werk Eriksduns lässt sich nicht in einen ,,ismus" der Kunstgeschichte einordnen. ,,Ich bin ein Gegner begrifflicher Abgrenzungen" wird Eriksdun in dem Katalogtext zitiert. Eriksdun hat einen eigenen Stil des künstlerischen Ausdrucks entwickelt, wobei die Spachteltechnik ein wesentliches Merkmal seines Schaffens ist. ln dieser Technik entstanden seine Gemälde, die um die menschliche Figur, um Tiere sowie um urbane Motive kreisen. Besonders in seinen Porträts zeigt sich die Fähigkeit des Künstlers einer genauen Naturbeobachtung sowie das Wissen um menschliche Anatomie und ihre künstlerische Umsetzung. Aber ein seelenloser Naturalismus im Sinne eines bloßen Abbildens der gesehenen Motive wird streng vermieden. Dies geschieht durch das Malen ,,schichtenweise". Transparente Farbfelder lassen untere Schichten durchscheinen, wodurch eine vibrierende Lebendigkeit sowie eine Atmosphäre des Geheimnisvollen entstehen. Eine partielle Auflösung des Gegenständlichen verstärken diese Eindrücke. Gerade dieses Spannungsfeld von Figuration und Abstraktion macht Eriksduns Kunst so interessant und spannend. Die Eindrücke von Licht und dynamischer Bewegung werden durch das Neben- und Gegeneinander heller und dunkler, herausleuchtender und zurücktretender Farbakkorde erzielt, womit an das Medium der Glasmalerei gedacht werden kann. Aber auch zur Kunst des Mosaiks stellen sich Parallelen ein. Eriksdun hat für den öffentlichen Raum Mosaikarbeiten in Bochum, Bielefeld, Duisburg und auch in Westerscheps im Landkreis Ammerland geschaffen.
Eine starke und höchst authentische künstlerische Position prägt also das Werk Eriksduns. ln ihrer ästhetischen Kraft laden seine Arbeiten zur individuellen Deutung ein. Eriksduns Distanz und kritische Haltung zu dem offiziellen Kunstbetrieb ist vielleicht ein Grund, weshalb er in einer seiner letzten Lebensphase mit seinen Arbeiten nicht mehr an die Öffentlichkeit getreten ist. Und darin liegt wohl auch der Grund für die weitgehende Unbekanntheit seines Werkes. Aber Eriksduns künstlerischem Schaffen gebührt Respekt. Es hat eine kunsthistorische Würdigung verdient.
Quellen
Katalog: Eriksdun. Bilder aus vierjahrzehnten. Ausstellung des Berufsverbands Bildender Künstler e.V. Frankfurt in Zusammenarbeit mit der Marielies-Hess-Stiftung e.V. im Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Main, 27. Mai - 27. juni 1970
https://www. deutsche-biographie.de/pnd174204744.htm// Eriksdun
https://wwwmarie/ies-hess-sh]tung.de/eriksdun-friedrich-rudo/f/
https://www.romoe.com/de/artikel/befundbericht-der-untersuchungen-am-mosaik-objekt-voneriksdun-heinrich-friedrich-rudoIf-kroeger-190_m5v9dhdp.html